Umfrage: Pfarrgemeinderäte engagiert, aber Reformbedarf
Pfarrgemeinderäte berichten laut "Pfarrgemeinderats-Kompass 2024" von Wertschätzung wie auch vielerorts von fehlender Unterstützung

Wien, 02.04.2025 (KAP) Pfarrgemeinderäte nehmen ihre Aufgabe mit viel Engagement wahr, stehen jedoch vor Herausforderungen, die nicht ignoriert werden dürfen: So lautet das Fazit des Online-Forums "Was Pfarrgemeinderät:innen bewegt", bei dem am Dienstag die Ergebnisse der Umfrage "PGR-Kompass" vorgestellt wurden. An der Erhebung, die im Oktober 2024 erstmals durchgeführt wurde, nahmen 3.114 Pfarrgemeinderäte (PGR) teil, was etwa zehn Prozent der Ehrenamtlichen in den Pfarren ausmacht. Für den Referatsbischof für die Pfarrgemeinderäte in der Österreichischen Bischofskonferenz, Josef Marketz, ist nun entscheidend, "einander zuzuhören und gemeinsame Wege zu finden". Die Befragung soll bis zur nächsten PGR-Wahl am 7. März 2027 noch zweimal durchgeführt werden - im Herbst 2025 sowie 2026.
Die Ergebnisse interpretierte der Kärntner Diözesanbischof in seiner Stellungnahme als Auftrag an die diözesane Leitung sowie an Ehrenamtliche, "aufeinander zu hören und Entscheidungen erst nach einem Austausch zu treffen". Diese sollten im Sinne des synodalen weltkirchlichen Prozesses in Zusammenarbeit erfolgen. Ob dies immer eine Mehrheitsentscheidung sein müsse, bezweifelte Marketz.
Der Bischof plädierte zudem für eine stärkere Kooperation zwischen PGRs und der Diözese sowie für den Mut, "Grenzen zu verschieben und Widerstände zu verringern". Dies betreffe unter anderem neue pfarrliche Strukturen oder veränderte Aufgaben der PGRs. "Man kämpft zwar oft für das Eigene, aber so kommt man nicht weiter", betonte Marketz. Entscheidend sei es, "den Nachbarn und die größere Einheit" im Blick zu behalten, um tragfähige Entscheidungen treffen zu können.
Weiterarbeit in Diözesen
Die wissenschaftliche Leitung der Umfrage lag beim Internationalen Forschungszentrum für soziale und ethische Fragen (ifz) in Salzburg. Birgit Bahtic-Kunrath, eine der Studienleiterinnen, erklärte, dass die Erhebung neben geschlossenen auch offene Fragen enthielt und ein breites Bild des Ehrenamts in den Pfarren zeichne.
Die Ergebnisse des "PGR-Kompass" sollen nun auf diözesaner Ebene weiter analysiert und in Gremien diskutiert werden, informierten Barbara Buchinger (Diözese Eisenstadt) und Beate Schlager-Stemmer (Diözese Linz). Die beiden Mitglieder der "Konferenz der PGR-Referent:innen der Diözesen Österreichs" betonten, dass aus den Erkenntnissen konkrete Maßnahmen für die Zukunft der Pfarrgemeinderäte abgeleitet werden sollen.
Schlager-Stemmer, Referentin für Pfarrgemeinderäte der Diözese Linz, hob hervor, dass die Umfrage zeige, wie sehr sich Ehrenamtliche einbringen wollen. Gleichzeitig brauche es mehr Unterstützung vonseiten der diözesanen Leitung, um eine Überforderung der PGRs zu vermeiden. Ziel sei ein "verantwortungsvolles Ehrenamt" sowie ein ausgeprägteres Bewusstsein für notwendige Veränderungen bei Haupt- und Ehrenamtlichen.
Glaube und Motivation
Die PGR-Mitglieder fühlen sich laut der Befragung großteils wertgeschätzt und gleichberechtigt, egal ob es um das Alter, das Geschlecht oder die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen geht, so das Fazit
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist, dass 97 Prozent der Pfarrgemeinderäte ihr Engagement als aktive Mitgestaltung des Pfarrlebens verstehen. Besonders wichtig ist den Befragten der soziale Austausch sowie die Möglichkeit, ihren Glauben aktiv zu leben. Rund zwei Drittel engagieren sich in der Organisation von Festen und Veranstaltungen, etwa 52 Prozent sind im liturgischen Bereich tätig.
Trotz der hohen Motivation sehen viele Ehrenamtliche Verbesserungsbedarf. Die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit sowie eine stärkere Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeitende wurden als zentrale Anliegen genannt. Mehr als die Hälfte der Befragten äußerte zudem Sorgen um die Zukunft des Pfarrgemeinderats, insbesondere um die Nachwuchsgewinnung.
Für 78 Prozent der Befragten spielt der Glaube eine wesentliche Rolle in ihrem Engagement, 70 Prozent sehen ihn als Grundlage für Entscheidungen. Gleichzeitig würden sich viele mehr Raum für spirituelle Themen wünschen: Über die Hälfte der Teilnehmer gab an, sich mehr Zeit für den Austausch über den Glauben zu wünschen.
Zusammenarbeit funktioniert, aber nicht konfliktfrei
Ein Großteil der PGRs empfindet die Zusammenarbeit innerhalb des Gremiums sowie mit Hauptamtlichen als gut. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass etwa ein Fünftel der Räte regelmäßig Konflikte erlebt. Während die Mehrheit die Kommunikationskultur positiv bewertet, sehen viele dennoch Verbesserungspotenzial. "Es geht darum, nicht nur demokratisch zu entscheiden, sondern auch aufeinander zu hören und zu unterscheiden", betonte Bischof Marketz.
Ein weiterer Aspekt ist die Wahrnehmung der PGR-Arbeit außerhalb der Kirche: Nur 42 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Tätigkeit über den unmittelbaren Pfarrkontext hinaus Relevanz besitzt.
Viele PGR-Mitglieder wünschen sich mehr Transparenz in Entscheidungsprozessen sowie eine gerechtere Verteilung der Verantwortung. Auch die Kinder- und Jugendarbeit wurde als Herausforderung genannt - hier besteht laut Umfrage ein großer Bedarf an Leitfäden, Weiterbildung und Unterstützung durch Hauptamtliche. Zudem sehen die Befragten die Diözesen in der Pflicht, aktivere Rollen in der Begleitung und Strukturentwicklung zu übernehmen.